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Biographische Verarbeitungen und gesellschaftliche Repräsentationen in Ostdeutschland seit den 1970er Jahren

Aktuelles

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05. – 06. April 2022, Workshop, Annika Jahns & Gregor Streim, »Zwischen künstlerischem Selbstausdruck und gesellschaftlichem Auftrag. Praxis und Bedeutung der Laienkunst in der DDR«

05.–06.04.2022, Friedrich-Schiller-Universität Jena

Mehr noch als die Rezeption von Kunst und Literatur galt die ›kulturelle Selbstbetätigung‹ möglichst vieler Werktätiger der Partei- und Staatsführung der DDR als wesentlicher Faktor bei der angestrebten Realisierung der sozialistischen Gesellschaft. Dieser Impuls bestimmte schon die Anfang der 1950er Jahre entstandene ›Volkskunstbewegung‹, in deren Rahmen unzählige an Betriebe und Kulturhäuser angebundene Theater- und Kabarettgruppen, Chöre, Mal-, Tanz-, Foto-, Film-, Keramik- und sonstige Zirkel gefördert wurden. Mit der ersten Bitterfelder Konferenz 1959 und der Einrichtung der Zirkel Schreibender Arbeiter wurde die Laienkunst dann stärker politisch-propagandistisch funktionalisiert. Die ›kulturelle Massenarbeit‹ von Gewerkschaften, Kulturbund oder FDJ zielte einerseits in kulturrevolutionärer Weise auf die Aufhebung der Gegensätze von Kunst und Leben sowie von Hoch- und ›Volkskultur‹ und war andererseits von der idealistischen Vorstellung bestimmt, (sozialistische) Persönlichkeiten durch ›ästhetische Erziehung‹ zu bilden.

Der Workshop bringt Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus verschiedenen Disziplinen, die zu ›Laienkunst‹ und zur sozialistischen Massenkultur in der DDR arbeiten, miteinander ins Gespräch. Anders als in älteren Forschungsarbeiten soll sich der Blick dabei weniger auf den politischen und ideologischen Rahmen als auf die künstlerische Praxis sowie die Interessen und Perspektiven der einfachen Zirkelmitglieder richten. Denn die Erkenntnis, dass die ›kulturelle Massenarbeit‹ mit ihrem Anspruch auf eine umfassende Kontrolle der Freizeitgestaltung Ausdruck der ›Durchherrschung‹ (Alf Lüdtke) der Gesellschaft war, erklärt noch nicht, warum und mit welcher Motivation sich so viele Menschen in der DDR über lange Zeit in den verschiedenen Zirkeln engagiert haben und welche Bedeutung diese Praxis für sie hatte.
Das vollständige Programm der Veranstaltung finden Sie am Ende dieser Seite.

Die Teilnahme vor Ort ist begrenzt möglich. Bei Interesse melden Sie sich bitte bei Katharina Davideit: katharina.davideit@uni-jena.de

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Veröffentlicht am: 07. März 2022, 13:30 Uhr