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Biographische Verarbeitungen und gesellschaftliche Repräsentationen in Ostdeutschland seit den 1970er Jahren

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Publikation, Dr. Carsta Langner, »›Alles ist noch nicht so, wie wir uns das vorstellen‹ – Krisendeutung und Gesellschaftskritik in der späten DDR und der ostdeutschen Umbruchsgesellschaft«

Kürzlich verfasste unsere Verbundmitarbeiterin Dr. Carsta Langner den Artikel »Alles ist noch nicht so, wie wir uns das vorstellen« – Krisendeutung und Gesellschaftskritik in der späten DDR und der ostdeutschen Umbruchsgesellschaft«.
Dieser erschien im Dezember 2021 im Sammelband »Das umstrittene Erbe von 1989. Zur Gegenwart eines Gesellschaftszusammenbruchs«, Herausgegeben von unseren Kooperationspartner*innen des BMBF-Verbund »Erbe89« an der Universität Leipzig, Dr. Alexander Leistner und Prof. Dr. Monika Wohlrab-Sahr.
Den Band erhalten Sie in Buchform oder open-access-pdf direkt beim Verlag Vandenhoek & Ruprecht.


Carsta Langner: »›Alles ist noch nicht so, wie wir uns das vorstellen‹ – Krisendeutung und Gesellschaftskritik in der späten DDR und der ostdeutschen Umbruchsgesellschaft«

Drei Jahrzehnte nach dem Sturz des alten SED-Regimes gestalteten sich die Rückblicke auf den Umbruchsprozess in Ostdeutschland anlässlich des Jahrestages 2019 auffallend kritisch. Diese kritischen Resümees können auf verschiedene Ursachen zurückgeführt werden, maßgeblich infolge der Historisierung der Transformation selbst, auf die nun mit zeitlichem Abstand geblickt wird, aber auch aufgrund von Krisenerfahrungen infolge des Umbaus des Sozialstaates und der Finanzmarktkrise 2008. Soziale Abstiege bzw. antizipierte Abstiegsangste ließen sich in den letzten drei Jahrzehnten regelmäßig auch unter explizitem Rückgriff auf die Erfahrungen von 1989 für politische Mobilisierungen nutzen; noch nie jedoch so erfolgreich wie 2019 von radikal-rechten Kräften.
Damit kann die wissenschaftliche Neubewertung der gesellschaftlichen Umbruchsprozesse in Ostdeutschland auch als Reaktion auf die politischen Erfolge der AfD gewertet werden.
Der vorliegende Beitrag argumentiert, dass die erfolgreiche Bezugnahme auf das Umbruchsjahr 1989 durch radikal-rechte Kräfte wie der AfD nur zu verstehen ist, wenn die politische Zäsur in eine lange Geschichte des gesellschaftlichen Wandels, der bereits in den 1970er und 1980er Jahren einsetzte, eingebettet wird. Die Frage nach langen Linien gesellschaftlicher Krisendeutungen und Gesellschaftskritik in Ostdeutschland soll daher aufgenommen und zeitlich in die späte DDR hineinverfolgt werden: Welche Erwartungen an gesellschaftliche Veranderungen existierten in der ostdeutschen Gesellschaft bereits in den beiden Jahrzehnten vor dem politischen Systemumbruch, und auf welcher Quellenbasis lassen sich diese empirisch rekonstruieren?

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Veröffentlicht am: 14. Januar 2022, 15:30 Uhr