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Biographische Verarbeitungen und gesellschaftliche Repräsentationen in Ostdeutschland seit den 1970er Jahren

Einblicke

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Forschungsprojekt, Emilia Henkel, »Jahre ohne Kinder – Der Geburteneinbruch als ostdeutsche Transformationserfahrung«

Emilia Henkel, Wissenschaftliche Assistentin im Teilprojekt »Der große Umbruch. Zur Erfahrungsgeschichte der Transformation in Ostdeutschland 1970–2010« wurde im August in den Jahrgang 2020 des Honours-Programm der Universität Jena aufgenommen. Sie betreibt dort ein eigenes Forschungsprojekt, das von Dr. Franka Maubach betreut wird und thematisch innerhalb des Teilprojektes angesiedelt ist. Hier erhalten Sie einen ersten Einblick in ihre Arbeit.


Emilia Henkel: »Jahre ohne Kinder – Der Geburteneinbruch als ostdeutsche Transformationserfahrung«

In der Wendezeit brach die Geburtenrate in Ostdeutschland drastisch ein. Sie erreichte 1991 nur noch die Hälfte des Wertes von 1989 und konnte sich erst Ende der neunziger Jahre leicht erholen. Heute stellen diese »halbierten Jahrgänge« ostdeutsche Regionen vor große Probleme, beispielsweise in Thüringen, wo nach jahrelangen Einstellungsstopps allein innerhalb der nächsten fünf Jahre 20% der Lehrenden in Rente gehen werden. Wie kein anderes Bild veranschaulicht die abstürzende Kurve der ostdeutschen Geburten pro Frau Aspekte des Umbruchs nach dem Ende der DDR, die in der bisherigen Forschung vernachlässigt wurden: Zum einen lässt sich an dem Geburteneinbruch zeigen, wie langfristig die Brüche der 90er Jahre die ostdeutsche Gesellschaft noch prägen werden. Zum anderen verdeutlicht der demografische Schock, wie tief die sogenannte Wende selbst in die intimsten Lebensbereiche der Menschen in der ehemaligen DDR einschnitt, und damit weit mehr war als ein politischer und wirtschaftlicher Systemwechsel. In meinem Forschungsprojekt im Rahmen des Honours-Programmes möchte ich deshalb den Geburteneinbruch zu Beginn der 90er Jahre in als Ausgangspunkt nutzen, um eine neue erfahrungsgeschichtliche Perspektive auf die postsozialistischen Transformation zu entwickeln, die die ostdeutsche Gegenwart miteinbezieht. Wie wirkten sich die gesellschaftlichen Dynamiken des Systemwechsels auf die Familienplanung einzelner Menschen aus und wie wirken sich wiederum die Geburtenzahlen bis heute auf die Gesellschaft aus?

Veröffentlicht am: 20. November 2020, 16:00 Uhr