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Zwischen Erfahrung und Erinnerung: Bildungs(um)wege christlicher DDR-Bürger*innen von der sozialistischen Gesellschaft bis in die Gegenwart

»Delegierungsbogen«, Vorschlag/Antrag für die Aufnahme in die Erweiterte Oberschule in der DDR
»Delegierungsbogen«, Vorschlag/Antrag für die Aufnahme in die Erweiterte Oberschule in der DDR

Das Projekt gründet auf der Feststellung, dass Christ*innen, die in der DDR aufwuchsen, sich mehrheitlich in einem engen Zusammenhang mit dem Bildungssystem an Diskriminierungen erinnern. Deshalb rückt die historische Untersuchung Erzählungen, Praktiken und Strukturen von Ungleichbehandlungen in sozialistischen Bildungsinstitutionen und -räumen in das Blickfeld und erforscht vielgestaltige (Aus)Bildungs(um)wege christlicher DDR-Bürger*innen. Das Zusammenspiel dreier analytischer Zugänge soll bisherige Forschungsergebnisse kritisch hinterfragen und eine (post-)sozialistische Gesellschaftsgeschichte ermöglichen.

Erstens stehen mithilfe von Zeitzeug*innenbefragungen in einer katholischen Gemeinde Erinnerungen an Bildungs- und Diskriminierungserfahrungen im Mittelpunkt, die durch zurückliegende Interviewreihen ergänzt werden. Von welchen Erfahrungen wird wie berichtet? Wie deuten die Befragten die Vergangenheit in individueller und gesellschaftlicher Hinsicht? Wie interpretieren sie ihre Bildungswege in Bezug auf die Wiedervereinigung 1989/​90? Wie gestalten sie ihre Bildungsbiografien bis in die Gegenwart?

Zweitens werden anhand privater und staatlicher Archivüberlieferungen institutionengebundene Bildungsübergänge in den Blick genommen. Welche Akteure wirkten bei der sozialen und geschlechtsspezifischen, bei der politischen und ideologischen Bevorzugung und Gegenprivilegierung von Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen national wie lokal zusammen? Wie veränderten sich Ermöglichungs- und Verhinderungskonstellationen vor dem Hintergrund des Wandels des Bildungssystems zwischen 1945 und 1989? Wie erschufen sich Benachteiligte Handlungsspielräume?

Drittens sollen die einzelnen Untersuchungsfäden zusammengezogen werden, um Gegensätze und Gemeinsamkeiten von unterschiedlichen Bildungsentwürfen in der (post-)sozialistischen Gesellschaft zu diskutieren. Welche praxeologischen Bildungswirklichkeiten bildeten sich in der Erziehungs- und Fürsorgediktatur heraus? Welche alternativen (christlichen) Bildungsverständnisse wurden dagegengesetzt? Wie können diese Bildungsentwürfe historisch und gegenwartsbezogen interpretiert werden?

Aktivitäten

24. Januar 2020, Projektvorstellung, Dr. Ringo Müller, Geschichtsmesse Suhl
Die Präsentation des Vortrags finden Sie angehägt unter Downloads.

04. Dezember 2019, Vortrag, Dr. Ringo Müller: Ungleichheit(en). Überlegungen zur Bildungsgeschichte junger Christ*Innen in der sozialistischen Gesellschaft

23. November 2019, Vortrag, Dr. Ringo Müller: Zur Erforschung christlicher Bildungs(um)wege in der sozialistischen Gesellschaft. Ein Werkstattbericht